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ChatGPT Ads: Der nächste große Marketing-Kanal??

Tim · 15 Sept 2026 · 4 min

ChatGPT Ads: Der nächste große Marketing-Kanal??

ChatGPT Ads: Der nächste große Marketing-Kanal – oder nur ein teures Experiment?

Seit OpenAI im Februar 2026 Werbung in ChatGPT eingeführt hat, überschlagen sich die LinkedIn-Posts: "Das nächste große Ding", "Google Ads sind tot", "Jeder Marketer muss jetzt umsteigen". Ich habe mir die Zahlen angeschaut – und bin skeptisch geblieben. Zu Recht, wie sich zeigt.

Was kosten ChatGPT Ads eigentlich?

OpenAI ist mit einem sehr selbstbewussten Preis gestartet: 60 US-Dollar CPM, exklusiv über Agenturpartner wie WPP, Omnicom und Dentsu, mit einem Mindestbudget von 200.000 bis 250.000 US-Dollar. Das war rund dreimal so teuer wie Meta zu dem Zeitpunkt und vergleichbar mit dem Start von Netflix' Werbeangebot.

Nur: Der Markt hat diesen Preis nicht mitgetragen. Innerhalb von zehn Wochen fiel der reale CPM auf teilweise nur noch 25 US-Dollar. OpenAI reagierte im April mit einem Wechsel auf Cost-per-Click (3 bis 5 US-Dollar pro Klick), senkte das Mindestbudget schrittweise von 250.000 auf 50.000 und im Mai schließlich auf 0 US-Dollar Selfserve-Zugang. Das ist ungewöhnlich schnell für ein neues Werbeprodukt – und meist ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage der Advertiser hinter den Erwartungen zurückblieb.

Wie gut konvertieren ChatGPT Ads wirklich?

Hier wird es interessant, weil die Datenlage extrem uneinheitlich ist. Die Klickraten liegen in den meisten seriösen Quellen zwischen 0,3 % und 1,8 % – deutlich unter dem Google-Search-Durchschnitt von rund 6,4 %. Der Grund ist simpel: ChatGPT zeigt pro Antwort maximal eine Anzeige, es gibt keine zehn blauen Links, um die konkurriert wird.

Bei den Conversion Rates kursieren Zahlen von 0,2 % bis über 8 %, je nachdem wer sie veröffentlicht. Auffällig: Viele der besonders positiven Studien stammen von Agenturen oder Tools, die ChatGPT-Ads-Kampagnen verkaufen wollen – klassischer Interessenkonflikt. Die nüchternere Einschätzung aus dem Markt selbst klingt anders: Branchenmedien wie Raconteur und Digiday berichten, dass Werbetreibende dem Angebot Anfang 2026 "größtenteils mit gemischten Gefühlen" begegnen, vor allem weil ChatGPTs Ads Manager kaum vergleichbare Reporting- und Trackingfunktionen bietet wie Google oder Meta. CNBC zitierte im März sogar die Einschätzung, OpenAI könne schlicht "nicht beweisen, dass die Anzeigen funktionieren", weil ausgereifte Messinstrumente fehlen.

Warum kaufen Menschen nicht, wenn sie ChatGPT nutzen?

Das ist für mich der eigentlich spannende Teil – und er hat wenig mit Technik, sondern viel mit Psychologie zu tun.

Der "Fake-Friend-Dilemma"-Effekt. Wenn ich bei Google suche, weiß ich: Ich bekomme eine Liste aus Links, ein Teil davon bezahlt. Diese Transaktion ist transparent. Wenn ich ChatGPT etwas frage, bekomme ich eine Antwort im Ton eines vertrauenswürdigen Beraters. Taucht darunter plötzlich eine Anzeige auf, wirkt das für viele Nutzer wie ein Vertrauensbruch mitten im Gespräch. Studien zu diesem Effekt zeigen: Menschen erkennen eingebettete Werbung in Konversationen schlecht – und wenn sie es merken, sinkt das Vertrauen sofort spürbar.

Beratung statt Kaufmodus. Wer ChatGPT nach dem besten Laptop für die Tochter fragt, befindet sich in einem Beratungsgespräch, nicht im Kaufmodus einer Suchmaschine. Das Verhalten ähnelt eher Markenaufbau als Performance-Marketing – nur wird es aktuell wie Performance-Marketing verkauft und gemessen.

Fehlende Daten, fehlendes Targeting. ChatGPT kennt im Wesentlichen den Gesprächsverlauf und den groben Standort. Es fehlt die jahrzehntelang aufgebaute Verhaltens- und Kaufhistorie, mit der Google und Meta ihre Auktionen optimieren. Werbetreibende zahlen dadurch für Kontext-Relevanz, nicht für nachgewiesene Kaufabsicht.

Die zahlenden Nutzer sehen gar keine Werbung. Wer für ChatGPT Plus oder Pro bezahlt, bekommt aktuell keine Anzeigen zu sehen. Das bedeutet: Werbetreibende erreichen tendenziell die Gelegenheitsnutzer im kostenlosen Tarif – nicht zwingend die kaufkräftigste Zielgruppe.

Kein Vergleichsmodus. Auf Google vergleiche ich aktiv fünf Angebote in fünf Tabs. Bei ChatGPT bekomme ich eine synthetisierte Antwort und eine einzelne, klar getrennte Anzeige darunter. Sichtbarkeit allein macht eine Marke aber nicht zur ersten Wahl – die eigentliche Kaufentscheidung fällt oft erst auf der Website, und dort entscheiden Angebot, Preis und Vertrauen, nicht die Werbeplatzierung.

Ist Google Ads deswegen tot? Ganz und gar nicht.

Seit anderthalb Jahren wird der Suchmaschine mit AI Overviews und AI Mode der baldige Tod prophezeit. Die Zahlen von Alphabet sagen etwas anderes: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Bereich Google Search & Other um 17 % auf 63,3 Milliarden US-Dollar Umsatz – nach mittlerweile über einem Jahr AI-Overviews-Rollout. Das gesamte Google-Werbegeschäft legte um 14,5 % auf 81,6 Milliarden US-Dollar zu, das zwölfte Quartal in Folge mit zweistelligem Konzernwachstum. Analysten von Wolfe Research sprachen von einem "widerstandsfähigen Umfeld", die Konkurrenz durch OpenAI sei bislang eher ein "Schlagzeilen-Risiko" als ein echtes Umsatzproblem.

Das heißt nicht, dass sich nichts verändert. Suchvolumen und Klickverhalten verschieben sich, KI-gestützte Tools wie Performance Max gewinnen an Bedeutung, und Google selbst berichtet von deutlich mehr Conversions bei ähnlichem ROAS durch den Einsatz eigener KI-Kampagnentools. Aber "tot" sieht anders aus. Google Ads bleibt der Kanal mit der mit Abstand reifsten Datenbasis, dem größten Nutzervolumen in echtem Kaufmodus und einem stabil wachsenden Auktionsmarkt.

Unsere Haltung bei ADGENTIC

Aus genau diesen Gründen lassen wir uns bei der Anbindung von ChatGPT Advertising bewusst Zeit. Solange Messbarkeit, Targeting-Tiefe und Conversion-Daten so unausgereift sind wie aktuell, wollen wir das Budget unserer Kunden nicht in ein Experimentierfeld stecken. Stattdessen konzentrieren wir uns weiterhin konsequent auf Meta und Google Ads – die Kanäle, die heute nachweisbar Umsatz liefern. Sobald sich das Bild bei ChatGPT Ads mit belastbaren Daten ändert, sind wir bereit. Bis dahin gilt: lieber ein Kanal mit Substanz als zehn mit Hype.

ADGENTIC AI ist die erste KI-Agentur für Performance-Marketing: Neun spezialisierte KI-Agenten planen, produzieren, launchen und optimieren Kampagnen end-to-end – DSGVO- und EU-AI-Act-konform, gehostet in Europa.

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